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"Wenn wir Musik machen, dann verbinden wir uns"

Im Interview erzählt die Landessingwartin der EKBO, was Kirchenmusik mit Glauben zu tun hat – und mit Glück

Frau Ewald, macht Kirchenmusik Sie glücklich?

Cornelia Ewald: Oh ja. Diese Musik ist eine unendliche Fundgrube. Mein Lieblingskomponist ist ja Johann Sebastian Bach. Er hatte es nicht leicht im Leben, wurde früh Vollwaise, seine erste Frau starb überraschend und er verlor einige Kinder ganz jung, aber er hat trotzdem eine wunderbare Musik hinterlassen. Man nennt ihn ja auch den Fünften Evangelisten, weil er so viel Trost, Kraft und Glaube in seine Musik hineingelegt hat. Je länger ich mich mit seinem Werk beschäftige, umso tiefer, vollkommener wird es für mich.

Hat Kirchenmusik für Sie etwas mit Glauben zu tun?

Cornelia Ewald: Ja, einfach schon, weil sie die Inhalte für mich viel besser transportiert und sie bereichert. Durch die Vertonung biblischer und christlicher Texte wird die pure Wortaussage für mich vertieft. Es fügt weitere Komponenten hinzu, weitere Erfahrungen und Empfindungen. Die Musik ist quasi das Bonusprogramm.

Es klingt so, als spiele Musik eine große Rolle in Ihrem Leben.

Cornelia Ewald: In meinem Kopf laufen immer irgendwelche Melodien. Es gibt ein Buch über Mozart, das heißt „Nichts als Musik im Kopf“ – so fühle ich mich auch. Musik vermittelt Gefühle, Empfindungen. Und das ohne Worte. Und es ist für mich ein großes Glück, dass Musik mein Beruf ist. In anderen Jobs ist es ja vielleicht ein bisschen schwierig, so mit Gefühlen umzugehen, sie zu spüren und zu äußern. Wenn man am Computer sitzt und tippt, hat man ja zum Beispiel nicht so irre viele Gefühle oder auch  nicht die Möglichkeit, sie über eine Medium wie Musik auszudrücken.

Sie leiten verschiedene Chöre. Was sind die besten Momente für Sie? Die Arbeit mit den Sänger*innen? Der Applaus am Ende des Konzertes?

Cornelia Ewald: Die besten Momente sind für mich, wenn in der gemeinsamen Arbeit mit den Sänger*innen und Musiker*innen sich die Noten aus dem Papier erheben und Klang werden. Wenn sie zum Leben erwachen, sich verändern, zu sprechen beginnen. Es ist ein kreativer Prozess, der einem erst gar nicht bewusst ist. Und der beginnt, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und zu öffnen, den anderen zu vertrauen,  wenn man sich zeigt und Eigenes beisteuert. Für Laiensänger*innen und Laienmusiker*innen ist die Beschäftigung mit der Musik oft eine riesige Entdeckung. Es ist für mich beglückend zu erleben, wie Menschen sich öffnen und  neue Möglichkeiten entwickeln, sich auszudrücken.

Wenn aus Noten Klang werden, Menschen sich in der Musik öffnen - fühlen Sie sich in solchen Momenten Gott nah?

Cornelia Ewald: Ich kann nun nicht sagen, dass ich während der ganzen Probe an Gott denke. Aber wenn wir gemeinsam Musik machen, ein Stück einstudieren, dann verbinden wir uns, spüren Nähe im gemeinsamen Tun. Wir überwinden Trennung und Einsamkeit. Ich öffne mich, die Sänger*innen und Musiker*innen auch, und ich glaube schon, ich bin Gott dann nah, weil er sich das so vorgestellt hat mit uns Menschen: dass wir miteinander kommunizieren und in Beziehung sind. Ich freue mich, ehrlich gesagt, auf jede Chorprobe. Wir strahlen uns an, freuen uns aneinander. Das hat man ja im Alltag sonst nicht so oft.

Cornelia Ewald ist Landessingwartin in der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Sie fördert das Singen in allen kirchlichen Arbeitsfeldern, in dem sie selber lehrt und Menschen vernetzt. Mit ihr sprach Amet Bick, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit in der EKBO

Mehr über die Kirchenmusik in der EKBO erfahren Sie hier: www.kirchenmusik-ekbo.de

Letzte Änderung am: 02.10.2019